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.Und zu Hause ist es wie bei anständigen Leuten …«»Lauter gute Menschen?« Glikerija dreht sich zum Fernseher um.»Und was haben sie mit den bösen Menschen gemacht?« »Es gibt dann keine mehr, überhaupt keine.« »Überhaupt keine gibt es wohl nur im Paradies …« »Genau«, nickt sie.»Das denke ich auch, so muss es sein, das Paradies.So wie da im Fernsehen.Früher habe ich nicht daran geglaubt.Aber jetzt denke ich, doch, das gibt es.Da möchte ich auch hin, davon träume ich …« »Bestimmt kommst du dahin.« Glikerija wischt sich die Augen.»Glaub mir … Wer, wenn nicht du.So wird es sein, wie im Fernsehen.Bestimmt zeigen sie das nicht nur, sie wissen es …«Ariadna hat eine Zeitung zerknüllt.Ohne Papier brennt es nicht richtig.Sie bückt sich, so gut es geht, und steckt ein Streichholz hinein.Die Zeitung kräuselt sich und lodert auf.Es brennt …Jewdokija nimmt den Schürhaken und stochert im Feuer.Vom Ofen steigt Dampf auf, die Holzscheite knacken.»Hach, es ist so schön am Ofen.« Sie ist ganz rot im Gesicht.»Als ich jung war, habe ich so gerne am Ofen gesessen und in die Flammen geguckt …«»Ich auch«, sagt Ariadna freudig.»Mein Vater hat immer mit mir geschimpft.›Was starrst du so ins Feuer?‹, hat er gefragt.›Damit lockst du den Teufel hervor‹«»Ach, hör auf!« Jewdokija winkt ab.»Was soll denn der Teufel im Ofen …«Sofja sitzt da und hört zu.Ariadna blickt sich um: »Einmal habe ich einen gesehen, so wie dich jetzt.«»Wie das denn?«, wundert sie sich.»Ja wirklich, stell dir vor.Ich kam vom Gymnasium nach Hause, und mein Bruder hatte Besuch.Er studierte damals.Ich ging in mein Zimmer, die Wände waren ganz dünn … Sein Zimmer lag direkt neben meinem.Ich höre sie lachen! … Da kommt unser Hausmeister, Archip.Der hat immer die Öfen bei uns geheizt.Er legt Holz nach und hört das auch.›Sieh an, da lachen sie, die jungen Herren … Lustig haben sie es …‹ Dann ging er wieder.Ich habe die Ofenklappe aufgemacht und mich gewärmt …Da sehe ich eine Feuerzunge.Es kracht, als wäre ein Stück Kohle rausgefallen.Das war Er.Klein und flink.Schrumplige Ärmchen, er reibt sich die Hände … Ich habe Angst, aber gleichzeitig packt mich die Neugierde.Er springt zu meinen Füßen herum.Lacht, wirft seinen kleinen Kopf zurück …«»Ja, und dann?«, fragt Jewdokija ungeduldig.»Dann?« Sie schreckt regelrecht hoch.»Nichts weiter.Er ist verschwunden.«»Vielleicht hast du dir das eingebildet? Du hättest zur Gottesmutter beten sollen.«»Aber wir waren damals nicht gläubig.Ich liebte die Poesie, und mein Bruder hat sich für Philosophie begeistert.Er hat die ganze Zeit Bücher mit sich herumgeschleppt und sie vor dem Vater versteckt.Als er in den Ersten Weltkrieg zog, hat er auch welche in die Tasche gesteckt.›Wer weiß‹, hat er gesagt, ›vielleicht ergibt sich mal eine ruhige Minute, dann habe ich was zu lesen …‹«»Haben sie ihn denn einberufen?« Sie lehnt den Schürhaken an die Wand.»Nein.Er ist als Freiwilliger gegangen.Den Sankt-Georgs-Orden hat er bekommen.Der Vater war so stolz auf ihn.Als er auf Heimaturlaub kam, hat er erzählt: ›Ich wohne nicht in der Kaserne, aber die Soldaten lieben mich trotzdem.Auch ich habe sie gern.‹«Jewdokija lächelt ungläubig.»Und dein Vater?«»Wir saßen gerade beim Essen.Mein Vater warf die Serviette hin.›Du Narr!‹, ruft er.›Was haben sie euch beigebracht in euren Universitäten? Da habt ihr einen schönen Zeitvertreib gefunden – den Bauern! Dein Bauer verkauft sich selbst für eine Kopeke, und dich verkauft er für eine Prise Tabak!‹«Jewdokija hört zu.»Und dein Bruder?«»Der fing an zu streiten.›Nein, Papa, Sie sind im Unrecht.Der Bauer glaubt an Gott.Und seine Sittlichkeit ist eine kindliche, natürliche, man muss im Guten mit ihm umgehen.‹ Mein Vater blickt ihn an und erwidert: ›Ich habe keine Universitäten besucht und eure Bücher nicht gelesen.Aber ich stamme selbst von Bauern ab.Mein Erzeuger war ein Leibeigener, ich habe ihn selbst losgekauft.Und dich Dummkopf habe ich auch losgekauft, im Jahre fünf.‹«»Was hat er damit gemeint?«, wundert sie sich.»Er hatte an einer Demonstration teilgenommen.Mit den Studenten.Mein Vater ist dann zum Polizeirevier und hat mit dem Wachtmeister gesprochen.«»Und da hat er ihn losgekauft? Tja-a«, sagt sie träumerisch, »das waren noch Zeiten …«»Beim Tee fing der Vater wieder an: ›Deine Bauern kenne ich.Ich hab so manches erlebt im Leben, und ich will dir eines sagen: Die Juden haben Gott wenigstens für Geld verkauft, aber unser Bauer braucht dazu keinen Grund, wenn es ihn packt.Er macht das aus reinem Übermut oder im Suff.Und brüstet sich noch damit, wie schlau er das anstellt … Und alles nur deshalb, weil er nicht glaubt, sondern Angst hat.Und diese Angst für den Glauben hält.So kämpfen Angst und Übermut miteinander.Was stärker ist, das behauptet sich.Vorläufig‹, hat er gesagt, ›ist das noch die Angst.Aber wenn die weg ist, bricht alles zusammen.Und zwar so gründlich, dass kein Stein mehr auf dem anderen bleibt.‹Mein Bruder sagte ihm darauf: ›Die Angst, Väterchen, erniedrigt den Menschen.Und auch der Bauer ist ein Mensch.Das ist das Gesetz der Logik‹, sagt er.Mein Vater hat seine Untertasse abgestellt.›Ach‹, seufzt er, ›euch wird es schlecht ergehen.Der Bauer kennt nur eine Wahrheit: Was Großvater und Vater gemacht haben, das mache ich auch.Dabei war sein Großvater vielleicht ein Straßenräuber … Hat unschuldige Seelen zugrunde gerichtet … In der Schrift‹, er hebt den Finger, ›heißt es: Sie leugnen Gottes Wort um der Überlieferung der Alten willen.Damit sind sie gemeint‹, sagt er.«Jewdokija hört aufmerksam zu.»Na, und dein Bruder?«Ariadna nimmt den Schürhaken.Sie stochert damit im Ofen herum.Eine muntere, hohe Flamme.Trockene Hitze.Die Tränen trocknen von selbst.»Sie haben sich an ihm gerächt.Im Jahre siebzehn.Es gab Unruhen in den Kasernen.Die Offiziere hatten sich verkrochen, sie fürchteten sich hinauszugehen.Aber er sagt: ›Ich gehe hin und rede mit den Soldaten.Ich bin kein Fremder für sie.‹ Er steigt auf ein Fass und ruft: ›Brüder! Brüder!‹ Aber sie haben ihn an den Beinen … Man hat uns das nicht sofort mitgeteilt, erst hinterher.Als mein Vater das erfuhr, fand er die ganze Nacht keine Ruhe, lief im Zimmer auf und ab.›Ich habe es ihm gesagt, ich habe es diesem Narren gesagt‹, brummte er vor sich hin.Gegen Morgen legte er sich hin, seine Beine versagten ihm den Dienst.›Ich fühle meine Beine nicht mehr‹, hat er gesagt.«Glikerija kommt in die Küche.»Antonina sagt, das Geld würde abgeschafft.Schon bald
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